Mein erstes Mal

28 Mai, 2010 Kommentare Artikel von

Ich erinnere mich noch daran, als ob es gestern war, mein erstes Mal. Mein erstes Hip-Hop-Konzert. Ein Ereignis, das mir meinen persönlichen Hip-Hop-Weg ebnete, ein Ereignis, das in meinem Lebenslauf Erwähnung finden sollte, einfach etwas Spezielles, an das ich mich noch lange erinnern werde.
Ich hatte mir zwei Wochen vor dem Konzert Tickets für das Feuer-und-Eis-Festival in Trogen besorgt und machte mich mit zwei Kollegen an jenem verregneten Samstag auf zu meinem ersten Hip Hop Konzert. Obwohl an diesem Abend mehrere Bands, bzw. Künstler ihre Songs zum Besten gaben, kamen wir bloss wegen einem Künstler: Bligg. Die Kontroverse begann bereits beim Künstler. Denn das Album, das Bligg präsentierte, konnte man nicht wirklich als Hip-Hop bezeichnen, viel mehr war es instrumental (Bligg spielte mit live-Band) hochstehend, raptechnisch eher mässig. Da mir dies aber erst im Nachhinein bewusst wurde, ging ich mit der Erwartung an dieses Konzert, Hip-Hop vom Feinsten zu erleben. Dementsprechend wollte ich auch ausgerüstet sein, resignierte aber bereits beim ersten Blick in meinen Kleiderschrank. Weder breite Baggy-Jeans, noch ein weites Basketballshirt oder ein schickes Käppi befanden sich darin und so beschloss ich spontan mir einfach einen grossen Kopfhörer umzuhängen. So machen die Hip-Hopper doch, dachte ich mir. Damit aber nicht genug der Situationskomik: Da mein I-Pod wie so oft den Geist aufgab, hatte ich nicht einmal eine Erklärung für die Kopfhörer, bzw. ich konnte nicht mal Musik hören. Mir war das dann auch egal, schliesslich trug ich die Dinger nicht der Musik wegen und versteckte das Kabel geschickt in meiner Hosentasche. Wie gesagt ging es dann am Samstag Abend mit dem Trogenerbähnli in Richtung Trogen, auch das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Anstatt Zürich Maag-Event-Hall und Anfahrt im Auto mit viel Drogen, Alkohol und lauter Musik, ging’s im idyllischen Trogenerbähnli in die kleine Aula der Kantonsschule Trogen.

Kurz noch die Hose ein wenig nach unten gerutscht, so machen das doch die Hip-Hoper, dachte ich mir erneut, und schon begann das Konzert. Ich hatte mir noch überlegt ein Messer oder sonst eine Waffe mitzunehmen, da es doch bei solchen Konzerten oft zu Schlägereien kommt. Beim Anblick der drei 13-jährigen Bauern vor mir, war ich dann froh Messer und sonstiges Zuhause gelassen zu haben. Musikalisch kam ich vollends auf meine Kosten an diesem Abend, musste aber einsehen, dass jegliche Klischees, die ich erwartet hatte, nicht eintrafen. Ich wurde nicht angepöbelt, es gab keine Schlägereien und der Künstler verzichtete grosszügig auf Ausdrücke wie “motherfuckeeeeer” oder “biiiitch”. So machten wir uns also bereits um elf Uhr (auch das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt) auf den Nachhauseweg und tranken auf dem Weg zum Bahnhof noch ein Bier. Das war dann auch das einzige, was ein wenig draufgängerisch oder klischeehaft war.

Ich hab mir bis heute keine Baggy-Jeans zugelegt und auch auf ein Käppi verzichte ich an Hip-Hop Konzerten. Meinen Horizont habe ich insorfern erweitert, dass ich heute weiss: Hip-Hop sind keine Kleider, Hip-Hop machen nicht die Klischees aus, Hip-Hop ist einfach das Gefühl, das du hast, wenn du die Musik hörst, ob breite oder enge Hosen, Kopfhörer oder nicht, Bier oder Wasser.

Um das ganze musikalisch noch abzurunden, hier einige Songs von dem besagten Bligg-Album:

Hip Hop/Rap, Swiss Music

Der Autor

I love my taste of music!
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