Montreux Jazz – A History Of Hip Hop-Review

18 Jul, 2011 1 Kommentar Artikel von

Am vergangenen Samstag lud eines der ehemals führenden Black Music Labels Tommy Boy zum Tanz – und die Massen kamen.

Im Rahmen des 45. Montreux Jazz Festival gaben sich im Montreux Convention Center die Stars die Klinke in die Hand. Wer die Atmosphäre des Festivals am Genfersee schon mal erlebt hat, wird verstehen, dass ich diesen Bericht allein mit Schwärmereien über die Gegend, die Stimmung und das Ambiente dieses renomierten Musikanlasses füllen könnte. Doch wir waren ja auch der Musik wegen hier. Tommy Boy, das Label von Tom Silverman, hatte ebenfalls was zu feiern; 30 Jahre Geburtstag eines Labels welches die Geschichte des Hip Hop ziemlich stark geprägt hat. Und somit wurden für den vergangenen Samstag auch die Zugpferde der Mitte 90er als Acts angekündigt. Um es vorwegzunehmen; sie kamen auch alle.

Ich für meinen Teil war bis anhin nur Gast in der Miles Davis Hall, dem kleineren Konzertsaal am Montreux Jazz, dieses Jahr sollte es mich nun endlich auch mal in das Auditorium Stravinski verschlagen. Nur schon deshalb fühlte ich mich beim Betreten der Halle wie ein kleiner Schuljunge vor seinem ersten Schultag. Vor der Show heizte ein DJ mit alten Disco- und Soulclassics ein, begleitet von B-Boy und Fly-Girls, welche ihre Tanzskills auf der grossen Bühne präsentierten. Um ca. 20.30 Uhr war es dann soweit: Afrika Bambaata – seines Zeichens Urvater des Hip Hop, betrat das DJ-Pult und begann sogleich die Klassiker der 80er den Leuten um die Ohren zu hauen. Als Hypeman fungierte irgendein MC der Zulu-Nation. Leider konnte ich seinen Namen nicht in Erfahrung bringen, doch seine Show passte und präsentierte sich als einen gelungenen Startschuss.

Nächster Name auf der Liste war Coolio. Ich bin ehrlich – Coolio war noch nie mein Lieblingsrapper, doch sein “Gangstas Paradise” hat’s uns dazumal allen angetan, und somit verstrich seine Show auch merklich mit dem Warten auf seinen grössten Hit. Coolio an sich strahlte in meinen Augen etwa das Gleiche wie Beni Huggel in der Nationalmannschaft aus:  Solide Arbeit aber wenig Kreativität. Seine Songs gingen irgendwie vorbei und zum Schluss beglückte er uns dann endlich mit “Too Hot” und eben erwähntem “Gangstas Paradise”. Leider hatte einer seiner Backup MC’s die Idee den Track mit seinem Saxophon zu begleiten – leider, weil er mich zu keinem Zeitpunkt überzeugen konnte. Was soll’s – von Coolio hab ich nichts erwatet und so kam’s in meinen Augen dann auch.

Nun fühlte ich mich etwas wie im Zirkus, denn es gab eine 20-minütige Pause und die Masse drängten sich an die Baar und standen sich vor den Toiletten die Beine in den Bauch. Als nächster Act wurde Prince Paul angekündigt und dieser legte mit seinem DJ-Set die Messlatte gleich enorm höher. Unzählige Klassiker von unter anderem De La Soul und A Tribe Called Quest pumpten durch die Boxen, begleitet von der Animation durch Prince Paul selbst und dem Mitrappen der Zuschauer. Der Abend hatte nun für mich definitiv begonnen. Aus meiner Sicht hätte der Hr. Paul ungeniert etwas länger als die gefühlten 30 Minuten weitermachen dürfen, doch Digital Underground um ihren MC Shok G standen bereits in den Startlöchern. Ich muss zu meiner Schande zugeben, dass ich ausser dem “Humpty Dance” keinen Track der Gruppe aus Kalifornien kenne, daher gingen die Songs irgendwie auch an mir vorbei. Es war o.k. doch ich wünschte mir an dieser Stelle den vorhergehenden Act zurück.  Zudem erinnerte Shock G in seinem Outfit doch stark an einen Pausenclown beim Rodeo.

Die Show wurde nun durch eine weitere 20-minütige Pause unterbrochen.
Es war jetzt die Zeit für die Headliner des Abends, House Of Pain und Naughty By Nature. Die Band um MC Everlast betrat als vorletzter Act des Abends die Bretter die die Welt bedeuten. Und siehe da, Everlast sieht zwar aus wie ein in die Jahre gekommener Hauswart, doch am Mikrophon hat er an nichts eingebüsst. Grundsolide Show, in welcher neben den Hits aus der Tommy Boy-Zeit auch “What It’s Like” von seinem ersten Soloalbum nicht fehlen durfte. Einen ersten Höhepunkt was das Mitmachen und Durchdrehen der Zuschauer bedeutet, erzeugte House Of Pain mit ihrem Allzeitklassiker “Jump Around”. Es war eine ware Freude, dass sogar die Leute auf dem Balkon passend zum Beat in die Luft sprangen und die Halle zum Kochen brachten.
Es war angerichtet für den Main Act, meiner absoluten Lieblingsband und der Hymnenfabrik im HipHop-Geschäft: Naughty By Nature. Die 3 Jungs aus New Jersey zeigten eindrucksvoll, dass sie auch nach 20 Jahren Bandgeschichte immer noch wissen, wie man die Massen zum Tanzen bringt. “OPP”, “Craziest” oder “Jamboree” boten einen perfekten Abschluss eines sensationellen Konzertabends. Das grosse Finale zeigte alle Künstler des Abends zusammen mit den Breakdancern und unzähligen Zuschauern aus dem Publikum vereint auf der Bühne, während Naughty By Nature ihren grössten Hit “Hip Hop Hooray” performten. Eine lange Konzertnacht fand einen perfekten Abschluss und nicht wenige waren nach dem 5 Stunden-Marathon froh, endlich wieder etwas frische Luft an der Seepromenade zu schnuppern. Nach dem Montreux Jazz ist vor dem Montreux Jazz, somit werden wir uns sicher auch im 2012 wieder am Genfersee einfinden. Wer noch nie da war, sollte einen Besuch definitiv mal ins Auge fassen.

Events, Hip Hop/Rap, International

Der Autor

Musik war und ist sein stetiger Begleiter. Geprägt wurde er durch den Hip Hop der Neunziger aber er lässt sich auch durch gute Musik aus allen möglichen und unmöglichen Sparten begeistern. Ohne den Sound aus den Boxen kann und will er nicht sein und zittiert hierzu Edward Elgar: “My idea is that there is music in the air, music all around us; the world is full of it, and you simply take as much as you require.”

Eine Meinung gibts zu “Montreux Jazz – A History Of Hip Hop-Review”

  1. Arion says:

    Tolles Review… da wünsch ich mir auch da gewesen zu sein.

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