Hecht – Die Newcomer im Gespräch über Schulreisen, Mundart-Pop und Leichtigkeit

17 Jul, 2012 Kommentare Artikel von

Sie werden als die Entdeckung des Jahres gehandelt. Ihr Debutalbum tauften sie mal eben so im ausverkauften Helsinki. Auf DRS3 sind sie bereits beständiger Teil des Musikprogramms. Die Rede ist von Hecht.

Ich will ehrlich sein: ich bin ziemlich skeptisch gegenüber Mundart-Pop. Als ich die ersten Sekunden des Songs ‚Tanze Tanze‘ hörte, kamen Vorurteile hoch: wieder CH-Musik die sich mit verpasster Liebe, Liebe allgemein und im Grossen und Ganzen mit den ernsten Dingen des Lebens beschäftigt. Doch zum Glück drückte ich sie nicht gleich wieder weg und plötzlich fingen die fünf Jungs an, ihre Fudis zum Refrain zu shaken und das Stück verwandelte sich in einen fröhlichen, unbeschwerten Song. Ich grub tiefer und entdeckte eine durchgehende Leichtigkeit mit Augenmerk auf lachen, tanzen und unbeschwert sein. Leichtverdauliche Musik, die einfach Spass macht.

So kam es, dass ich Sänger Stefan und Gitarrist Christoph am St.Galler Openair zu einem kurzen Gespräch traf. Ich wollte mal sehen, wie die Zukunft der Schweizer Charts denn so drauf ist. Und siehe da: sie ist ganz schön cool. Nicht nur, dass die beiden äusserst entspannt drauf waren, sie schwitzten nicht einmal bei gefühlten 50 Grad, während ich wie ein kaputtes Fass am Auslaufen war.

Ich fragte, ob sie bereits einen Bezug zum OASG hätten, worauf mir Stefan folgende Antwort gab: „Mein erstes Openairerlebnis war eine zweitägige Schulreise an dieses Openair. Seit da sind wir schon sicher zehn Mal hiergewesen.“ Macht man in Luzern wirklich solch geile Dinge an Schulreisen?
Dann kamen wir auf die oben genannte Leichtigkeit ihrer Musik zu sprechen. Ob sie denn damit bewusst einen Widerspruch zur oft etwas ernsten und auf Leistung basierenden Gesellschaft erschaffen wollten, wollte ich wissen. „Das Album reflektiert einfach unsere Persönlichkeiten, wir sind alle Frohnaturen und wir wollen einfach die Leute zum Lachen und Tanzen bringen und sie nicht in die Tiefe ziehen.“ Leistungsdruck lassen sich die Herren sowieso nicht aufzwingen: „Wir arbeiten alle nebenbei. Viele Leute denken man müsse bereits von Anfang an voll auf Musik setzen um etwas Gutes zu machen. Es ist unsere grosse Leidenschaft und wir arbeiten und proben hart, um diese auszuleben. Durch unsere Jobs entfällt der Druck, unbedingt die nächste Single in die Charts zu bringen, was sich wiederum in der Musik wiederspiegelt.“
Ihren noch unausgespielten Trumpf sehen sie in der Entwicklung der Mundart-Musik. Christoph erklärt: „Ich denke, in kommender Zeit werden noch viel mehr Bands etwas in Mundart machen. Es gibt Züri West, Patent Ochsner, Adrian Stern und dann wars das auch schon fast. Deswegen gibt es noch viel Spielraum für Neues im popigen Mundart-Bereich.“ Dass genau sie es schaffen könnten, den Draht zu jüngeren Generationen – welche sich oftmals auf internationale Bands fokussieren – wieder herstellen könnten, zeigen sie mit den Videos zum Song ‚24 Bilder‘. Dort rocken junge Erwachsene aus Bern, Basel oder Luzern zu ihrem Sound ab und haben mächtig Spass. Wann wir dieses Projektli in St.Gallen zu sehen bekommen ist also die Frage. „Denkst du die St.Galler machen da auch mit?“, fragt mich Stefan fast schon unsicher. Aber Hallo, was für ne Frage?! Weshalb steht wohl am Marktplatzgebäude in ganz grosser Schrift HECHT an der Wand?

Mit diesen Beiden hätte ich ohne weiteres noch eine Weile quatschen können. Da ich mich durch das Schwitzen und die Hitze aber wie ein Kamel fühlte, dass seit Wochen in der Wüste nach Wasser sucht, machten wir dann Halt und verabschiedeten uns.

Ich besuchte dann ihren Slot und trotz undendlicher Müdigkeit, regte der sehr gute Auftritt mein Tanzbein an… Wenn das mal keine Referenz ist.

Noch etwas zum Schluss: die neuste Single ‚See springe‘ ist soeben erschienen und die Konzertdaten sind online.

Bildquelle: Official Myspace

Indie/Alternative, Pop, Swiss Music

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Sorry ich zieh mir gerade guten Sound rein. Mehr zu mir folgt..
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