Silvana Imam – „Geh und küss dein beschissenes Hakenkreuz“

20 Jan, 2016 Kommentare Artikel von

Salam Aleikum aus Schweden.

Aus dem Heimatland von Ibrahimovic weht uns eine gleichsam sanfte und doch wütige Portion Politrap entgegen. Silvana Imam heisst die gute Frau. Und es bleibt nur zu hoffen, dass sie bald den Weg gen Süden findet und hier in der Nähe auftritt.

In der 68er-Bewegung gab es den Spruch „Trau keinem über 30“, womit das Misstrauen gegenüber der nationalsozialistisch vorbelasteten Elterngeneration ausgedrückt wurde. Im digitalen youtube-Zeitalter würd ich den gerne etwas abwandeln: „Trau keinem Künstler über 100’000 Views“. Oder noch mit Public Enemy gesprochen: „Don’t believe the hype“. Silvana Imam bewegt sich erfreulicherweise noch unter dieser Grenze, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass sie Imam unbequeme Musik macht, sich politisch dezidiert äussert. Was natürlich gefällt, versteht sich.

 

Doch viel ist über sie (noch) nicht bekannt, und wenn man Infos findet, dann alle auf Schwedisch.  So nützt für einmal doch ein Rückgriff auf Vice, wo sonst irgendwelche Yuppies Drogen ausprobieren oder darüber schreiben, wie sie eine Nacht lang U-Bahn gefahren sind. Da erfahren wir so Einiges: Zum Beispiel etwas über die politische Ausrichtung ihrer Musik – sie schreibt gegen Neonazis (die rechtsradikalen Schwedendemokraten) an, genauso wie gegen Sexismus und Unterdrückung – aber auch darüber, dass sie ihre Musik eigentlich gar nicht politisch interpretiert haben möchte.

„Ich schreibe Songs über mein Leben und da ich nun mal aus einer lesbischen, migrantischen und weiblichen Perspektive schreibe, bekomme ich den Stempel ‚politisch’ aufgedrückt.“ Und weiter: „Ich mache Concisous Rap, keinen politischen.“

Wie auch immer: Wer im momentanen politischen Klima in Europa gegen Nazis und angebliche „(Schweden)demokraten“ ansingt, hat schon mal viel richtig gemacht. Hinzu kommt der musikalische Charme des Schwedischen, das sich perfekt in die pumpenden Beats einfügt. Und in den Synthesizern-Linien kommt der ganze wunderbare Pathos zur Geltung, einfach saugut! Und man möchte am liebsten gleich morgen Schwedisch lernen, weil man merkt, dass Imam Geschichten zu erzählen hat. Ab und zu versteht man ein Wort. Von „Simone de Beauvoir“ singt sie an einer Stelle. Sie, die Tochter einer Litauerin und eines Syrers verkörpert das postmigrantische Selbstverständnis der schwedischen Gesellschaft, das auch – wie jüngst – wieder verschärfte Grenzkontrollen nicht zerstören können.

In ihrem Gesichtsausdruck spiegelt sich die Wut, darüber „wie kaputt die Welt ist“, aber auch die Energie, dagegen anzukämpfen. Wir kämpfen mit, denn auf die Reise nimmt uns Imam mit mit ihrer Musik. Zum Rest sagt sie deutlich: „Geh und küss dein beschissenes Hakenkreuz!“

 

Elektronica/Dance, Hip Hop/Rap, International, Jukebox

Der Autor

I love my taste of music!
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